Premier-Liga: das wichtigste Spiel des Tages fällt aus
02.04.2010 – 09:41Das zentrale Spiel des 4. Spieltages der russischen Premier-Liga zwischen ZSKA Moskau und Zenit St.Petersburg fällt am Samstag aus und wird auf vermutlich auf den 14. April verschoben. Über die Hintergründe gibt es noch Spekulationen.

Offizielle Erklärung: Sicherheitsrisiko
Das Spiel in Moskau wurde offiziell im Zusammenhang mit den neusten Anschlägen in der Moskauer Metro gecanceled. In der Luzhniki Arena (Kapazität: über 80.000 Zuschaer) würden sich die Anhänger beider Vereinen sammeln um das packende Spiel des Tages zwischen den beiden russischen UEFA Pokal-Gewinnern zu sehen. Und das wäre laut dem russischen Innenministerium (MWD) ein begehrtes Ziel der Terroranschläge.
Eine nicht gerade überzeugende Erklärung. Denn das würde bedeuten, man darf das Spiel nie austragen, denn das Risiko besteht immer, solange die kaukasischen Rebellen existieren. Warum denn gerade jetzt? Es ist doch kaum anzunehmen, dass gerade jetzt wo die Kontrollen nach den Anschlägen erhöht wurden, die Attentäter sich nicht trauen, was zu unternehmen.
Folgende Pressemitteilung findet sich heute auf der Webseite von FC Zenit:
Das Spiel gegen ist CSKA verschoben
Gemäß den Bestimmungen Rosgosstrach Russian Premier League 2010, sowie dem Schreiben vom RFPL, das unser Verein heute bekam, im Zusammenhang mit den tragischen Ereignissen vom 29. März 2010 in der U-Bahn in Moskau, und dem Appel des russischen Innenministerium und der Polizei-Abteilung für Moskau und Umgebung wird am 4. Spieltag vom Rosgosstrach Russian Premier League 2010 zwischen den Teams von ZSKA Moskau und FC Zenit verschoben.
Andere Erklärung – mangelde Kapazitäten der Polizei
Jedoch ist die Begründung nicht gerade wasserdicht. Warum wird denn das andere große Spiel in Moskau am gleichen Tag ausgetragen? Lokomotive Moskau spielt am 4. Spieltag gegen Dynamo Moskau – das sind ebenfalls zwei Titelfavoriten, die jedoch im Vergleich zu Zenit und ZSKA ihre letzten Spiele knapp verloren haben (Lokomotive 1:2 gegen Spartak und Dynamo 1:2 gegen Zenit). Das wird auch ein voller Stadion mit 50.000 Zuschauern. Kein Anschlagsziel? Die Internet-Zeitung Gazeta.ru erklärt den Ausfall des Spiels mit mangelnden Kapazitäten der Moskauer Polizei (Miliz) während der Ostern-Tage. 2 Spiele gleichzeitig zu organisieren, Polizei-Kontrollen für verdächtige Kaukasier durchzuführen und die Ostern-Messe zu organisieren wäre die Polizei nicht in der Lage. Besonders kritisch wird das Spiel zwischen ZSKA und Zenit angesehen, da es letztes Jahr zu einer Massenschlägerei zwischen Hooligans der beiden Teams in St.Petersburg kam.
Doch auch das ist keine überzeugende Erklärung, denn das Spiel zwischen Lokomotive und Dynamo ist am Sonntag, und nicht am Samstag wie ZSKA-Zenit. Also müssten eigentlich genug Polizisten zur Verfügung stehen.
Opposition befürchtet Ausnutzung der Anschläge durch Kreml
Schon nach den Anschlägen befürchtete die russische Opposition, dass die Machthaber die Anschläge zu ihren Gunsten ausnutzen werden. Denn mit der Begründung “große Menschenmengen bieten ein Anschlagsziel für Terroristen” kann man jede beliebige Veranstaltung auflösen. Das kann man für regierungskritische Demos anwenden oder eben für Fussballspiele, die im Kalendar zu einer ungünstigen Zeit stehen. Ist das Spiel am Samstag der erste Beispiel davon?
Sportliche Erklärung
Wäre gut möglich, denn ZSKA hat am Mittwoch in der Champions League gegen Inter Mailand gespielt und muss jetzt die Italiener am Dienstag wieder bei sich empfangen. Schon vor einer Woche hat ZSKA eine Anfrage an RFPL (der russische Fussballbund), das Spiel zu verschieben. Es ist in Russland Gang und Gäbe, den Kalender zugunsten von international spielenden Team umzugestalten. Doch diesmal bekam ZSKA überraschend eine Absage. Selbst St.Petersburger Fans waren überrascht: seit langer Zeit Spiel ein russisches Team im Viertelfinale der Champions League und genießt zuhause keine Vorteile?
Aber jetzt, weniger als 2 Tage vor dem Spiel, kommt doch die Erlaubnis vom RFPL. Da kann es für mich nur eine Erklärung geben. Nach der desolaten Leistung der Armee-Mannschaft in Mailand, wo sie mit 0:1 noch sehr gut bedient waren, und der Gelb-Sperren für einige wichtige Spieler, hat sich der russische Fussballbund von ZSKA bestechen lassen sorgen gemacht und entschied sich kurzfristig den Moskauern doch noch mehr Zeit für die Vorbereitung zu geben. Die Anschläge können nicht die Erklärung sein, denn die waren ja schon Angang der Woche. Kein Grund also das Spiel erst jetzt zu verschieben.
Ein Armutszeugnis der russischen Liga und ein Bekenntnis zum Nationalstolz um jeden Preis. Hauptsache sich nach Außen gut zu präsentieren, egal welche Tricks dafür im Hintergrund ablaufen. Nutzen wird es vermutlich nichts, denn so schwach wie ZSKA am Mittwoch war, hätte er auch nach einem Monat Pause keine Chance aufs Weiterkommen im Rückspiel.

