Katzenjammer

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Kritik an pauschaler Anwendung Hofstedes Dimensionen

05.06.2007 – 16:56

Geert Hofstede und seine Kollegen sind der Meinung, dass man im Umgang mit Menschen aus einem anderen Land gewissen Regeln folgen sollte, um gut anzukommen. Das ist Voraussetzung für erfolgreiches internationales Marketing.
Im Großen und Ganzen stimme ich dieser Theorie auch zu. Jedoch tendieren viele Forscher dazu, die Bedeutung von Hofstedes Cultural Dimensions zu überschätzen und daraus obskure Theorien herleiten zu wollen.
Wenn ich mir die Hinweise zum Thema “How to do Business with Russians” anschaue, da muss ich als einer, der in Russland aufwuchs, schon schmunzeln. Jedoch ist das noch nichts im Vergleich zu einigen, die aus Hofstedes Dimensionen auf Navigationsverhalten der Nutzer auf Webseiten oder auf Empfindung über Datensicherheit auf einer Webseite schließen wollen.
Klar können Zahlen hin und wieder passen oder zurechtgebogen werden. Aber im Endeffekt sind es meiner Meinung nach keine sinnvollen Aussagen.
Man denke nur daran, wieviele Ausländer mittlerweile in jedem Land leben (allein in Deutschland haben ca. 20% der Personen einen Migrationshintergrund) oder aus wievielen unterschiedlichen Kulturen und Lebensniveaus ein Land sich zusammensetzen kann.
Dazu ein Beispiel aus Wikipedia:

Des Weiteren ignoriert dieser Ansatz jegliche Unterschiede innerhalb einer Nation. Das Modell behandelt eine Nation wie ein homogenes Gebilde von Individuen, die alle die selbe Wertestruktur teilen. Dies ist in den meisten Fällen nicht korrekt. Auch das liegt zum Teil an der mangelhaften Repräsentativität der Stichprobe.

Niemand käme auf die Idee, Russland als kulturell homogen zu klassifizieren, da dort unterschiedlichste Ethnien mit unterschiedlichsten Kulturen aufeinandertreffen. Zwar wurde für einige Länder inzwischen ein Vergleich von Untergruppen vorgenommen (z.B. verschiedene Religionsgruppen), der Fokus liegt aber nach wie vor auf der Nation.

Indem man Hofstedes Dimensionen ohne Bedenken pauschal auf ein ganzes Land anwendet, folgt man oft nur den allgemeinen Vorurteilen, die oft nicht nur total daneben, sondern auch rassistisch oder beleidigend klingen können.

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