Zivilcourage: Was würdest DU tun?

29.07.2010 – 21:33

Am Freitag war ich zusammen mit Konstantin auf der Rheinpromenade in Düsseldorf unterwegs. Gute Stimmung, schönes Wetter, bald gibt es Feuerwerk, die Menschen sammeln sich langsam für die Show im nächtlichen Himmel der Landeshauptstadt. Vor Apollo tanzen wie üblich ältere Paare, vor dem Cafe in der Nähe sitzt eine Gruppe von Leuten mit Trommeln. Wir holen uns was zu trinken und wollen uns gerade gemütlich hinsetzen, als wir das Geräusch von zerbrochenem Glas hinter uns hören und uns umdrehen. Eine Frau Mitte Dreißig ließ die Flasche fallen, ein Alko-Pop-Getränk fließt auf den Bürgersteig, die Frau sackt langsam zusammen in die Arme von ihrem Begleiter. Wir sind wenige Meter entfernt.

Was würdest DU tun?

Ich schäme mich für meine mangelnde Zivilcourage. Mein Gedanke war, als ich kurz angehalten bin: “Die ist doch bestimmt nur betrunken, das wird schon wieder.” Und mit diesem Gedanken wollte ich schon beruhigt weiter marschieren. Aber Konstantin ging zu dem Paar, bat Hilfe an und rief den Notruf an. Die Frau hatte einen Anfall, vermutlich einen epileptischen. Die Leute kamen von allen Seiten, baten Hilfe an. Einer machte eine stabile Seitenlage, der andere legte was unter den Kopf der Frau, ein Dritter erklärte dem Notrufdienst am Telefon, wo genau die Frau war, damit der Wagen der Ambulanz sie schneller finden konnte.

Inzwischen ging es der Frau besser, der Anfall war vorbei und sie wollte schon aufstehen, sollte aber erstmal liegen bleiben. Wow, dachte ich mir – das ist Zivilcourage, davon könnte ich mir ein Stück abschneiden. Oder auch von den Leuten, die einen besoffenen Mann mit einem Messer im Moskauer Metro überwältigt haben. Matthias berichtete über eher eine traurige Geschichte, in der Zivilcourage böse für den Helfer endete. Und natürlich ist die Geschichte von Dominik Brunner kennt mittlerweile ganz Deutschland. Die letzten beiden Fälle machen zwar nicht unbedingt Mut, um soziales Engagement zu zeigen. Ich hoffe jedoch, dass sie trotzdem weiterhin Menschen finden, die sich für andere in Not einsetzen. Und ich hoffe einer von ihnen sein.

Gestern bin ich auf dieses Video gestoßen, was zeigt, wie Menschen auf einen auf der Strasse liegenden Mann/Frau reagieren. Einer Frau in Business-Klamotten wird sofort geholfen, bei einem arm aussehenden Mann dauert es minutenlang, niemand will ihn anfassen und sich dreckig machen. Ein mann mit einer Bierdose in der Hand wird von allen Passanten ignoriert. Und jetzt kenne ich ihr Verhaltensmuster, ich dachte genauso: der ist bestimmt besoffen, das wird schon wieder. Und was wenn nicht? Was wenn DEIN Eingriff ihm das Leben gerettet hätte und du hast es nicht getan? Du wolltest dich für ein Menschenleben nicht dreckig machen. Denk darüber nach. Ich tue das schon und verspreche nächstes mal nicht teilnahmslos vorbeizugehen.

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  1. 3 Kommentare zu “Zivilcourage: Was würdest DU tun?”

  2. >>Wie gesagt, war ich am Freitag vom Verhalten der Deutschen beeindruckt. Sie waren rücksichtsvoll, hilfsbereit und sozial. Einen Tag später, ein Paar Kilometer entfernt, in Duisburg, fand das Loveparade statt, bei dem 21 Menschen starben. “Und die Menschenmenge, die nachrückte, die liefen einfach über die am Boden liegenden drüber.”

    Dass die “Menschenmenge [...] über die am Boden liegenden drüber [lief]“, hat nichts mit einer angeblichen Rücksichtslosigkeit, fehlenden Hilfsbereitschaft oder Asozialität zu tun. Das Verhalten in der Menge wird nicht vom Einzelnen kontrolliert. Die Menge entwickelt eine Eigendynamik und trägt dich in eine bestimmte Richtung, ohne dass du was dagegen machen könntest. Insofern ist es nicht ganz korrekt deine Erlebnisse in Düsseldorf mit dem Unglück in Duisburg zu vergleichen bzw. daraus Rückschlüsse über die beteiligten Menschen zu ziehen.
    Was die von dir beschriebene Situation angeht, so Respekt an Kostja. Es ist immer wichtig, dass jemand den ersten Schritt macht, sonst kommt es oft zum Bystander effect (http://en.wikipedia.org/wiki/Bystander_effect).

    geschrieben von tschertie am 04. Aug, 2010

  3. Ich gebe dir Recht. Es war nur so kurz hintereinander, dass ich da ohne nachzudenken einen Vergleich gezogen.
    Vielleicht sollte ich den letzten Absatz rausschmeißen, da er von der eigentlichen Aussage des Artikels ablenkt.

    geschrieben von Leo am 07. Aug, 2010

  4. Letzter Absatz ist jetzt weg.

    geschrieben von Leo am 08. Aug, 2010

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