The Skillz – Integration durch Computerspiel: NRW-Landesregierung völlig realitätsfern
10.10.2010 – 13:31Die NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (die Grünen) nahm gestern an der Premiere des Computerspiels The Skillz, dass zur bessere Integration der jungen Migranten beitragen soll. Eine peinliche Fehleinschätzung der Realität.
Man muss erstmal den Gedankengang der Minister und Lehrbeauftragten, die an der Konzeption beteiligt waren, nachvollziehen. Was machen die Jugendlichen in der Freizeit? Sie spielen vermutlich Computerspiele! Also sorgen wir für die Integration der Ausländer beim Computerspielen. Durch ein Point-And-Click-Adventure, was auch immer dahinter steht.
Tatsächlich beschäftigen sich laut der letzten JIM-Studie nur 20% der Jugendlichen mehrmals pro Woche mit Offline -Computerspielen. Die PC-Nutzung verlagerte sich ins Internet. Sogar Zeitschriften sind nicht schlechter als Computerspiele für die Kommunikation mit Jugendlichen. Wenn’s dann um die Art der Spiele geht, schneiden Adventure-Spiele wie The Skillz ganz schlecht ab. Sie erreichen 8% der Spielenden Jugendlichen, also insgesamt nur 1,6% aller Jugendlichen. Dabei muss man bedenken, dass nicht alle Adventure Spiele gleich beliebt sind – einige sind besser und die anderen haben überhaupt keine Chance. Wenn es generell um Computerspielen geht ist bei den Mädchen “The Sims” klare Nummer Eins, bei den Jungs ist “FIFA” oben in der Rangliste. Außerdem ist schwer zu glauben, dass ein von der Regierung entwickeltes Spiel bei den Jugentlichen als cool ankommt…
Was ist nun The Skillz und wie soll dieses Spiel zur Integration beitragen?
Im Spiel geht es um Folgendes (aus der Pressemeldung): In dem Computerspiel geht es vor allem um die Stärkung der interkulturellen Kompetenzen junger Auszubildender im Handwerk. Als Spiel-Charaktere treten vier Auszubildende auf, die unterschiedliche Handwerksberufe erlernen und verschiedene kulturelle Hintergründe mitbringen. Alle haben jedoch eines gemeinsam: die Liebe zur Musik. Sie spielen zusammen in der Band „The Skillz“ und sehen ihrem ersten großen Auftritt entgegen. Bis es aber soweit ist, haben sie einiges zu erledigen. Jeder der vier Charaktere bringt individuelle Kompetenzen mit, hat seine speziellen beruflichen und privaten Aufgaben zu meistern und gerät immer wieder in Situationen, in denen er sich mit seinen Bandkollegen behaupten muss. Als „Team-Player“ müssen die Vier das Miteinander unter Berücksichtigung der kulturellen Unterschiede bewältigen.
Vow, Team-Player erinnert sofort an die Popstars Show. Auch die Zusammensetzung der Band ist multinational wie in der echten ProSieben-Show.
Und noch mehr von der Skillz-Website:
Vor der Kulisse atmosphärischer, handgezeichneter Hintergründe gilt es, Rätsel zu lösen, Gegenstände zu finden, Aufgaben zu bewältigen und Dialoge zu führen – alles unterlegt mit einem speziell für das Spiel komponierten Soundtrack.
Speziell komponierter Soundtrack – das hört sich teuer an für die Tasche der Steuerzahler.
Am Anfang darf der User wählen, ob ein Halb-Afrikaner sein möchte, ein Deutscher, eine Türkin oder Dachdecker Antonio, bei dem die Nationalität nicht ganz so klar ist: darunter kann sich wohl der Rest der Ausländer vorstellen. Antonio ist der Coolste Typ – er hat eine Freundin – die Türkische Malerin aus der Band und er ist Sänger und Gitarrist und “ein echt liebenswerter Typ”, wie übrigens alle Band-Mitglieder und alle Einwohner Deutschlands generell. Schläger, Dealer und Rassisten gibt es in der NRW-Landesregierung-Welt nicht. Spannend, dass die liebenswerten Ausländer aus dem Spiel allesamt leider ein Wenig zu dickköpfig für die Uni waren und sollen nun mit ihren handwerklichen Berufen den Staat auf die Beine bringen. Wie kann es auch anders sein, wenn die Landesgewerbe-Förderungsstelle des NRW-Handwerks das Projekt ins Leben gerufen hat.
Am Freitag hat die Grünen-Überfliegerin Syliva Löhrmann an der lächerlichen Premiere von The Skillz teilgenommen. Sie Saß am PC mit dem 26-jährigen (!!!) Selcuk, der das Spiel testete. Beide waren natürlich laut ihren Aussagen völlig begeistert und werden sicherlich die nächsten Monate mit dem Spielen verbringen. Am Ende wird Selcuk einen Schrebergarten erbauen und die Grünen-NRW-Chefin zieht in Köln-Kalk ein. Oder fehlen ihnen dazu die Skillz?






