Kungajewa und Markelow – über zwei Morde in Russland

07.08.2010 – 11:54

Heute bin ich auf eine erschreckende und spannende Geschichte gestoßen. Ich habe davon auch schon vorher gehört, aber eher am Rande. Mann hört ja immer wieder von Morden in Russland, oft politisch, meist ungeklärt. Diese Geschichte handelt von 2 Morden, die aufgeklärt wurden. Auch wenn es den Opfern und deren Angehörigen nicht hilft. Und auch wenn beide Gerichtsentscheidungen einen komischen Beigeschmack hinterlassen.

Mord an 18-jährigen Tschetschenin Elsa Kungajewa

Der erste Teil der Geschichte begann während des 2. Tschetschenien-Kriegs am 26. März 2000.  Der russische Offizier der in Tschetschenien stationierten Truppen, Juri Budanow feierte am Abend mit einem anderen Offizier, Fedorov, die Geburt seiner Tochter. Budanow war angetrunken und befahl dem Leutnant Barejew Feuer auf ein allein stehendes Haus zu öffnen. Fedorov sagte später aus, das Haus wäre unbewohnt gewesen und dort wurden tschetschenische Separatisten gesichtet. Barejew weigerte sich auf das Haus zu schießen und wurde dafür von den beiden Offizieren zusammengeschlagen und in eine Grube geschmissen, wo er bis zum Morgen blieb.

Um ca. 1 Uhr nachts am 27. März stürmte Budanow mit zwei Soldaten in das Haus der Familie Kungajew im Ort Tangi, wo 18-jährige Elsa Kungajewa und ihre 4 minderjährige Geschwister sich befanden. Budanow nahm Elsa angeblich für einen Verhör mit in das Gebäude, in dem er stationiert war. Dort misshandelte er sie und würgte sie später ein. Dann befahl er sie heimlich zu beerdigen.

Budanows Selbstanzeige

Eine Geschichte wie wahrscheinlich Dutzende in diesem Krieg, nur mit einem Unterschied. Elsas Familie traute sich Budanow wegen Mord anzuklagen. Bis dahin ungehört: die Tschetschenen verklagen einen russischen Offizier!

Zuerst stand noch die Anklage wegen Vergewaltigung, sie wurde jedoch später aufgehoben. Auch wenn die medizinische Untersuchung zeigte, dass Kungajewa eine Stunde vor Ihrem Tod die Unschuld verlor, ließ die Staatsanwaltschaft die Anklage fallen. Gefreiter Jegorow hat angegeben, den Leichnam von Kungajewa mit der Halterung eines Spatens misshandelt zu haben.

Um 13 Uhr am 27. März 2003 stellte sich und machte eine Selbstanzeige (automatische Übersetzung folgt):

Dem Militärstaatsanwalt des Nordkaukasischen Militärbezirkes.
Die Selbstanzeige.

Ich will, Budanow Jurij Dmitrijewitsch, in vollzogen offenherzig bereuen und, das Folgende mitzuteilen:am 26. März 2000 um 23.50 habe ich die Mannschaft des Schützenpanzers herbeigerufen und hat ihnen befohlen, zusammen mit mir in Tangi Tschu zu fahren… Im Haus befanden sich zwei Mädchen und zwei Teenager-Burschen. Auf die Frage, wo die Eltern, das ältere Mädchen geantwortet hat, was nicht weiß.Dann habe ich befohlen, in die Decke das ältere Mädchen umzukehren und, in den Wagen zu bringen.Dann haben sie in die Anordnung des Regiments angefahren. Dem Untergebenen hat befohlen, sich in der Straße zu befinden. Mir war es bekannt, dass ihre Mutter eine Scharfschützin ist. Zu zweit geblieben, habe ich sie gefragt, wo sich ihre Mutter befindet. Sie hat begonnen, zu schreien, gebissen zu werden und ausgerissen zu werden. Ich müsste die Kraft verwenden. Es hat der Kampf begonnen, in deren Ergebnis ich auf ihr die Jacke und den Büstenhalter zerrisen habe. Ich habe gesagt, dass sie sich zu beruhigen hat. Aber sie setzte fort zu schreien und, ausgerissen zu werden, dann müsste ich sie auf ein Bock-Brett niederwerfen und begann sie zu erwürgen.Ich erwürgte sie an der Kehle… Ich nahm von ihr den Unteren Teil der Kleidung nicht ab. . Ich habe die Mannschaft herbeigerufen, habe befohlen, sie in die Decke einzuwickeln, in einen Wald auszuführen und zu begraben. Die Mannschaft hat alles gemacht. Dem Protokoll der Selbstanzeige füge ich das Schema bei… Ich wollte den Sitz ihrer Eltern einfach aufklären.
28.03.2000. Budanow.

Eine lächerliche Erklärung, nur irgendwie kann ich dabei nicht so gut lachen. Budanow ist verheiratet und hat zwei Kinder. Schlimmer noch, am 31. Dezember 2002 hat das Nordkaukasische Kreismilitärgericht Budanow unzurechnungsfähig anerkannt und hat ihn von der strafrechtlichen Verantwortlichkeit befreit.

Budanows Kriegsverbrechen verurteilt

Doch 2003 hob das Militärkollegium des Obergerichtes der Russischen Föderation diesen Urteil auf. Am 25. Juli 2003 wurde Budanow nach drei Artikeln des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation — Art. 286 Paragraph 3 («die Überschreitung der dienstlichen Vollmachten»), Art. 126 Paragraph («der Diebstahl des Menschen») und Art. 105 Paragraph2 («der absichtliche Mord bei den erschwerenden Umständen”) schuldig gesprochen. Wie gesagt, die Anklage wegen der Vergewaltigung wurde fallen gelassen.

Juri Budanow war somit der erste russische Offizier, der wegen eines Verbrechens im Tschetschenienkrieg vor Gericht stand und verurteilt wurde. Er bekam eine Freiheitsstrafe von 10 Jahren, wurde aber bereits nach 5 Jahren begnadigt und kam am 15. Januar 2009 aus der Haft. Und hier fängt die 2. Geschichte an.

Mord am Jurist Markelow

Im 2. Teil der Geschichte geht es auch um einen Mord, diesmal in Moskau, tagsüber. Das Opfer: Jurist Stanislaw Markelow. Vier Tage nach der Entlassung Budanows, am 19. Januar 2009 kündigte Markelow, der Anwalt Kungajews, in einer Pressekonferenz, gegen die Haftentlassung Beschwerde einzulegen. Stanislaw Markelow starb durch einen Kopfschuss, den ein Unbekannter auf offener Strasse auf den prominenten Menschenrechtsanwalt abgefeuert hatte. Die ihn begleitende Anastasja Baburowa, Journalistin der Zeitung “Nowaja Gazeta”, der auch Anna Politkowskaja angehörte, wurde ebenfalls ermordet, als sie versuchte einzuschreiten.

Die Suche nach dem Mörder von WDR

Die Suche nach dem Mörder begann, angetrieben von westlichen Politikern. Was sich in Verbindung mit der ersten Geschichte simpel wie 1+1 anhört, ist komplizierter, als zunächst erscheint. Denn Stanislaw Markelow hatte viele Feinde. Die Journalisten Ina Ruck und Stephan Stuchlik gingen allen Spuren nach in ihrer 30-minütiger WDR Reportage und stellten folgendes fest: Rechtsradikale, Tschetschenen, korrupte Provinzpolitiker und rechtsnationale Offiziere und Veteranen des Tschetschenienkrieges – sie alle haben ein Motiv, den mutigen Stanislaw Markelow zu ermorden. Eine Spur führt nach Wien, eine andere nach Tschetschenien, andere in die tiefe russische Provinz. Der Beitrag ist höchst interessant.

[Das Video wurde auf Anfrage von WDR entfernt]

Am 5. November 2009 vermeldete die russische Zeitung Kommersant unter Berufung auf Sicherheitskräfte die Festnahme zweier Tatverdächtiger. Es handle sich um einen jungen Mann und eine junge Frau, die einer nationalistischen Bewegung angehörten. Der 24-jährige Verdächtige gestand die Tat wenig später: Laut seinem Anwalt hat der Mann Markelow aus persönlichen Gründen getötet; die Tat stehe in keinem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit des Opfers.


Beyond the Fall – Fotoserie über Osteuropa und Russland 89-99

07.08.2010 – 09:56

Der Fotograf der TIME Anthony Suau reiste nach dem Fall der Mauer in die osteuropäischen Länder und dokumentierte die Geschehnisse und das Leben in den Post-Sowjetischen Staaten.

Was ihm gelang, ist eine unglaublich wahre und neutrale Darstellung des Lebenswandels in den Ostblock-Staaten in den sogenannten Schneidigen Neunzigern. Die Fotoserie von Anthony Suau besteht aus

  • einer kurzen Einführung
  • einem Openining, in dem die Zustände nach dem Kollaps der Kommunistischen Ideale beschrieben sind
  • dem Transformation Teil, in dem er darum geht, wie die Menschen mit der neuen Situation klar kamen
  • dem Kapitel Diversity, das die Unterschiede in den einzelnen Ländern und Regionen Zeigt
  • und einem Epilog, dem 10 Jahre späte hinzu kam.

Anthonys Reise führte durch Polen, Ex-Jugoslawien, Rumänien, Albanien, Bulgarien, Tschechien und Russland.

Es ist keine Serie, die den Leser schockieren soll, kein Blockbuster, keine Enthüllung spektakulärer Tatsachen. Der Fotograf zeigt den Schrecken und die Charme der 90er dieser Länder in Echt.

Dazu gehören wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Rückstand, Armut und gleichzeitige Unbekümmertheit, Kollaps der alten Werte und Idole der neuen, Gesetzlosigkeit und neuer Reichtum und Kriege, ethnische Säuberungen, Morde und Rachen. 1988 kam es zu der Auseinandersetzung der Aserbaidschaner und Armenier im Bergkarabach. 1991 ging der Krieg in Ex-Jugoslawien los. 1993 der erste Krieg im Kaukasus (Abchasien), 1994 der erste tschetschenische Krieg. Nach den etnischen Säuberungen der Serben 1999 rächten sich entsprechend die Kosovo-Albaner.

Die Fotostrecke von Anthony Suau zeigt aber deutlich mehr als Kriege und Leid. Sie Zeigt das Leben und ich hatte keines Falls die Absicht es schwarz zu malen.

Lange Rede, kurzer Sinn: die Fotoserie Beyond the Fall sollte man sich anschauen. Und zwar hier.


Zivilcourage: Was würdest DU tun?

29.07.2010 – 21:33

Am Freitag war ich zusammen mit Konstantin auf der Rheinpromenade in Düsseldorf unterwegs. Gute Stimmung, schönes Wetter, bald gibt es Feuerwerk, die Menschen sammeln sich langsam für die Show im nächtlichen Himmel der Landeshauptstadt. Vor Apollo tanzen wie üblich ältere Paare, vor dem Cafe in der Nähe sitzt eine Gruppe von Leuten mit Trommeln. Wir holen uns was zu trinken und wollen uns gerade gemütlich hinsetzen, als wir das Geräusch von zerbrochenem Glas hinter uns hören und uns umdrehen. Eine Frau Mitte Dreißig ließ die Flasche fallen, ein Alko-Pop-Getränk fließt auf den Bürgersteig, die Frau sackt langsam zusammen in die Arme von ihrem Begleiter. Wir sind wenige Meter entfernt.

Was würdest DU tun?

Ich schäme mich für meine mangelnde Zivilcourage. Mein Gedanke war, als ich kurz angehalten bin: “Die ist doch bestimmt nur betrunken, das wird schon wieder.” Und mit diesem Gedanken wollte ich schon beruhigt weiter marschieren. Aber Konstantin ging zu dem Paar, bat Hilfe an und rief den Notruf an. Die Frau hatte einen Anfall, vermutlich einen epileptischen. Die Leute kamen von allen Seiten, baten Hilfe an. Einer machte eine stabile Seitenlage, der andere legte was unter den Kopf der Frau, ein Dritter erklärte dem Notrufdienst am Telefon, wo genau die Frau war, damit der Wagen der Ambulanz sie schneller finden konnte.

Inzwischen ging es der Frau besser, der Anfall war vorbei und sie wollte schon aufstehen, sollte aber erstmal liegen bleiben. Wow, dachte ich mir – das ist Zivilcourage, davon könnte ich mir ein Stück abschneiden. Oder auch von den Leuten, die einen besoffenen Mann mit einem Messer im Moskauer Metro überwältigt haben. Matthias berichtete über eher eine traurige Geschichte, in der Zivilcourage böse für den Helfer endete. Und natürlich ist die Geschichte von Dominik Brunner kennt mittlerweile ganz Deutschland. Die letzten beiden Fälle machen zwar nicht unbedingt Mut, um soziales Engagement zu zeigen. Ich hoffe jedoch, dass sie trotzdem weiterhin Menschen finden, die sich für andere in Not einsetzen. Und ich hoffe einer von ihnen sein.

Gestern bin ich auf dieses Video gestoßen, was zeigt, wie Menschen auf einen auf der Strasse liegenden Mann/Frau reagieren. Einer Frau in Business-Klamotten wird sofort geholfen, bei einem arm aussehenden Mann dauert es minutenlang, niemand will ihn anfassen und sich dreckig machen. Ein mann mit einer Bierdose in der Hand wird von allen Passanten ignoriert. Und jetzt kenne ich ihr Verhaltensmuster, ich dachte genauso: der ist bestimmt besoffen, das wird schon wieder. Und was wenn nicht? Was wenn DEIN Eingriff ihm das Leben gerettet hätte und du hast es nicht getan? Du wolltest dich für ein Menschenleben nicht dreckig machen. Denk darüber nach. Ich tue das schon und verspreche nächstes mal nicht teilnahmslos vorbeizugehen.

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Google Webmaster Tools Upgrade

16.04.2010 – 07:22

Ganz zufällig habe ich heute die neuen Webmaster Tools entdeckt.

Die neuen Funktionalitäten von Webmaster Tools stellen eine wesentliche Verbesserung dar und werden – das kann man jetzt schon erkennen dem Webmaster eine große Hilfe sein. Auch wenn es Daten erst seit dem 11. März gibt, kann man bereits vieles analysieren.

Was ist neu an Google Webmaster Tools?

Die Neuerungen sind eigentlich sofort zu erkennen, wenn man sich einloggt.

  1. Für jedes Keyword wird die Anzahl der Impressions der eigenen Seite (Einblendung dem User in der Ergebnisliste), die Anzahl der Clicks und die daraus errechnete CTR. Zum Vergleich, so sah diese Tabelle früher aus.
  2. Die Zahl der Keywords in der Tabelle ist nicht mehr auf 100 begrenzt.
  3. Man kann die Impressions, die Clicks, die Position und die Seite mit der man rankt für jeden Tag sehen.

Eine Beschreibung aller Neuerungen findet man im Webmaster Central Blogeintrag.

Ich finde die neuen Erkenntnisse, die man für SEO daraus gewinnen kann, sehr aufregend. Mir fallen direkt ein paar Anwendungsmöglichkeiten ein.

Keywords mit hohem Potential erschliessen

Die naheliegendste Anwendung bietet sich direkt aus der von Google vorgegebenen Sortierung an. Ganz oben in der Liste erscheint das Keyword zu dem man die meisten Einblendungen hatte. Einem wird deutlich vor die Augen geführt, dass ein Keyword, zu dem man vielleich auf Platz 10 nur <1% Clicks bekommt auf den ersten Positionen mit fünfstelligen Visits-Zahlen winkt. Eigentlich sollte man diese Keywords kennen, aber vielleicht hat man die eine oder andere Google Suggest Änderung verpennt.

Zusammenhang “Meta Description” – CTR, “Title” – CTR

Bei gleichbleibender Position in SERPs kann man unterschiedliche Meta Descriptions ausprobieren und jeweils die CTRs vergleichen. Dasselbe gilt auch für Titles, wobei ich mit Titles vorsichtiger wäre, da man sich damit auch die Position schnell kaputt machen kann. Aber für Descriptions ist es ideal.

Zusammenhang “Position bei Google” – “Traffic”

Ein wichtiger Punkt für SEOs und Online Marketing Verantwortliche ist “Wie rechtfertige ich die SEO-Investitionen?”

Denn SEO ist für Entscheider oft was Abstraktes und schlecht Messbares. Was bringt eine Verbesserung von Position 3 auf 2 für das Keyword X? Lohnt sich eine Investition, um Position 2 zu erreichen?

Um diese Frage zu beantworten konnte man zwar schon immer die Positionen eines Keywords (z. B. aus Sistrix) und die tatsächlichen Visits gegenüberstellen, jedoch hat dieses Vorgehen zwei Nachteile, wie man auf diesem Graphen sieht.

Zwar korrelieren die Graphen der Positionen und Visits, aber die Genauigkeit ist zu gering. Der erste Grund dafür ist, dass Sistrix nur einen Wert pro Woche liefert, obwohl die tatsächliche Position des Seite in SERPs sich innerhalb der Woche mehrmals geändert haben könnte (Abschnitt 1 auf dem Graphen). Der zweite Grund ist, dass die reine Visit-Zahlen nicht die Saisonalität bzw Wochentage abbilden. Somit kann man bei gleichbleibender Position (Abschnitt 2) stark schwankenden Traffic haben.

Die neuen Funktionalitäten der Webmaster-Tools beheben diese Mankos: man kann einzelne Tage vergleichen und nicht mehr die Visits, sondern die CTR berücksichtigen. Somit ergibt sich eine einfache Rechnung.

Z. B. eine Seite mit einem CPM von 10 Euro befindet sich auf Position 3 zum Keyword X mit einem wöchentlichen Suchvolumen von 100.000 mit folgender Verteilung:

Der Sprung von 3 auf 1 und dauerhafte Positionierung auf Platz 1 würde eine Verbesserung der CTR von 13% auf 45% bedeuten, also zusätzliche 32.000 Visits (=320,- €) pro Woche. Will man nach 10 Wochen ein 100%es ROI haben, darf die SEO-Investition nicht 3.200,- € überschreiten.

Die perfekte Ergänzung zum Sichtbarkeitsindex

Und letztendlich, die wichtigste Anwendung von diesen Daten, die ich in der neuen Webmaster Tools Funktionalität sehe: Die CTRs sind die Ergänzung, die den Sistrix-Sichbarkeitsindex zum echten SEO-Traffic-Index macht.

Denn der Sistrix-Sichtbarkeitsindex zeigt zwar die Sichtbarkeit einer Seite bei Google zu einem Keyword-Set, jedoch sagt sie nur bedingt was über den tatsächlich generierten Traffic aus. Denn wenn die Click-Through-Rate bei einem Keyword mit einem noch so hohen Suchvolumen gleich Null ist, fleißt das Keyword trotzdem in den Sichtbarkeitsindex rein. Der Nutzer, der das Keyword bei Google eingegeben hat, landet jedoch nie auf der Seite.

Hier ein Beispiel: diese fünf Keywords, die Positionen verloren haben, sind bei Sistrix (wie ich vermute) nach ihrem Sichtbarkeitsverlust absteigend sortiert.

Nimmt man die CTRs hinzu, gibt es ein neues Bild: die Keywords C und E spielen wegen der CTR von Null gar keine Rolle.

Fazit

Am Ende eines guten Artikels kommt normalerweise ein Fazit. Also hier noch ein obligatorischer Zweizeiler. Ich kann mich nur wiederholen: Die neuen Funktionalitäten stellen eine wesentliche Verbesserung der Tools dar, die gleich in mehreren Bereichen Anwendung findet – Keyword-Analyse, Onsite-Optimierung, Budget-Planung und Monitoring. Voraussetzung ist natürlich, dass die Daten in Webmaster Tools stimmen…


Premier-Liga: das wichtigste Spiel des Tages fällt aus

02.04.2010 – 09:41

Das zentrale Spiel des 4. Spieltages der russischen Premier-Liga zwischen ZSKA Moskau und Zenit St.Petersburg fällt am Samstag aus und wird auf vermutlich auf den 14. April verschoben. Über die Hintergründe gibt es noch Spekulationen.

Offizielle Erklärung: Sicherheitsrisiko

Das Spiel in Moskau wurde offiziell im Zusammenhang mit den neusten Anschlägen in der Moskauer Metro gecanceled. In der Luzhniki Arena (Kapazität: über 80.000 Zuschaer) würden sich die Anhänger beider Vereinen sammeln um das packende Spiel des Tages zwischen den beiden russischen UEFA Pokal-Gewinnern zu sehen. Und das wäre laut dem russischen Innenministerium (MWD) ein begehrtes Ziel der Terroranschläge.

Eine nicht gerade überzeugende Erklärung. Denn das würde bedeuten, man darf das Spiel nie austragen, denn das Risiko besteht immer, solange die kaukasischen Rebellen existieren. Warum denn gerade jetzt? Es ist doch kaum anzunehmen, dass gerade jetzt wo die Kontrollen nach den Anschlägen erhöht wurden, die Attentäter sich nicht trauen, was zu unternehmen.

Folgende Pressemitteilung findet sich heute auf der Webseite von FC Zenit:

Das Spiel gegen ist CSKA verschoben

Gemäß den Bestimmungen Rosgosstrach Russian Premier League 2010, sowie dem Schreiben vom RFPL, das unser Verein heute bekam, im Zusammenhang mit den tragischen Ereignissen vom 29. März 2010 in der U-Bahn in Moskau, und dem Appel des russischen Innenministerium und der Polizei-Abteilung für Moskau und Umgebung wird am 4. Spieltag vom Rosgosstrach Russian Premier League 2010 zwischen den Teams von ZSKA Moskau und FC Zenit verschoben.

Andere Erklärung – mangelde Kapazitäten der Polizei

Jedoch ist die Begründung nicht gerade wasserdicht. Warum wird denn das andere große Spiel in Moskau am gleichen Tag ausgetragen? Lokomotive Moskau spielt am 4. Spieltag gegen Dynamo Moskau – das sind ebenfalls zwei Titelfavoriten, die jedoch im Vergleich zu Zenit und ZSKA ihre letzten Spiele knapp verloren haben (Lokomotive 1:2 gegen Spartak und Dynamo 1:2 gegen Zenit). Das wird auch ein voller Stadion mit 50.000 Zuschauern. Kein Anschlagsziel? Die Internet-Zeitung Gazeta.ru erklärt den Ausfall des Spiels mit mangelnden Kapazitäten der Moskauer Polizei (Miliz) während der Ostern-Tage. 2 Spiele gleichzeitig zu organisieren, Polizei-Kontrollen für verdächtige Kaukasier durchzuführen und die Ostern-Messe zu organisieren wäre die Polizei nicht in der Lage. Besonders kritisch wird das Spiel zwischen ZSKA und Zenit angesehen, da es letztes Jahr zu einer Massenschlägerei zwischen Hooligans der beiden Teams in St.Petersburg kam.

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Doch auch das ist keine überzeugende Erklärung, denn das Spiel zwischen Lokomotive und Dynamo ist am Sonntag, und nicht am Samstag wie ZSKA-Zenit. Also müssten eigentlich genug Polizisten zur Verfügung stehen.

Opposition befürchtet Ausnutzung der Anschläge durch Kreml

Schon nach den Anschlägen befürchtete die russische Opposition, dass die Machthaber die Anschläge zu ihren Gunsten ausnutzen werden. Denn mit der Begründung “große Menschenmengen bieten ein Anschlagsziel für Terroristen” kann man jede beliebige Veranstaltung auflösen. Das kann man für regierungskritische Demos anwenden oder eben für Fussballspiele, die im Kalendar zu einer ungünstigen Zeit stehen. Ist das Spiel am Samstag der erste Beispiel davon?

Sportliche Erklärung

Wäre gut möglich, denn ZSKA hat am Mittwoch in der Champions League gegen Inter Mailand gespielt und muss jetzt die Italiener am Dienstag wieder bei sich empfangen. Schon vor einer Woche hat ZSKA eine Anfrage an RFPL (der russische Fussballbund), das Spiel zu verschieben. Es ist in Russland Gang und Gäbe, den Kalender zugunsten von international spielenden Team umzugestalten. Doch diesmal bekam ZSKA überraschend eine Absage. Selbst St.Petersburger Fans waren überrascht: seit langer Zeit Spiel ein russisches Team im Viertelfinale der Champions League und genießt zuhause keine Vorteile?

Aber jetzt, weniger als 2 Tage vor dem Spiel, kommt doch die Erlaubnis vom RFPL. Da kann es für mich nur eine Erklärung geben. Nach der desolaten Leistung der Armee-Mannschaft in Mailand, wo sie mit 0:1 noch sehr gut bedient waren, und der Gelb-Sperren für einige wichtige Spieler, hat sich der russische Fussballbund von ZSKA bestechen lassen sorgen gemacht und entschied sich kurzfristig den Moskauern doch noch mehr Zeit für die Vorbereitung zu geben. Die Anschläge können nicht die Erklärung sein, denn die waren ja schon Angang der Woche. Kein Grund also das Spiel erst jetzt zu verschieben.

Ein Armutszeugnis der russischen Liga und ein Bekenntnis zum Nationalstolz um jeden Preis. Hauptsache sich nach Außen gut zu präsentieren, egal welche Tricks dafür im Hintergrund ablaufen. Nutzen wird es vermutlich nichts, denn so schwach wie ZSKA am Mittwoch war, hätte er auch nach einem Monat Pause keine Chance aufs Weiterkommen im Rückspiel.